Warum profitieren Ihre Patienten von einer verhaltensmedizinischen Abklärung?
Verhaltensprobleme haben häufig komplexe und multifaktorielle Ursachen und können die Fähigkeit des Tieres beeinträchtigen, sich gut in der Gesellschaft, im sozialen oder familiären Umfeld zurechtzufinden. In der Verhaltensmedizin werden die Bereiche Verhalten und Charaktermerkmale, physische und mentale Gesundheit, Umwelt und Haltung, Mensch-Tier-Interaktionen und Lebensqualität des Patienten und des sozialen Umfelds mit ein bezogen, um die individuell beste Therapie zu finden. Erstkonsultationen dauern rund 1,5 Stunden, damit mögliche Ursachen identifiziert werden können.
Häufig sind weiterführende Untersuchungen nötig, die durch den/die Haustierarzt:In oder, wenn erforderlich, in einer Klinik durchgeführt werden müssen. Die Abgabe von Nutraceuticals oder Psychopharmaka erfolgt über den/die Haustierarzt:In mit Hausapotheke.
Überweisung zu einer verhaltensmedizinischen Konsultation
Überweisungen sind ganz formlos möglich. Übersenden Sie bereits vorhandene relevante Befunde an den Tierhalter/die Tierhalterin, damit diese in der Konsultation zur Verfügung stehen.
Nach der Kontaktaufnahme und Terminvereinbarung erfolgt die Übersendung des Tierhalterfragebogens (plus ggf. andere problemorientierte Fragebögen) an den/die Tierhalter:in. Die ausgefüllten Fragebögen sollten bis spätestens 3 Tage vor dem Termin an mich übersandt werden. Hilfreich sind auch kurze Videos, die das Problem zeigen (bitte Problemverhalten nicht extra für ein Video provozieren) und/oder das Verhalten des Tieres in verschiedenen Alltagssituationen (Fütterung, Ruhezeiten, Spaziergänge mit Begegnungen, Besuch etc.). Die Erstkonsultation dauert ca. 1,5 h.
Die verhaltensmedizinische Abklärung beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, die neben dem problematischen Verhalten auch Haltungsbedingungen, Alltag, Lerngeschichte, Auslöser und bisherige Management- und Trainingsmaßnahmen umfasst. Ein wesentlicher Bestandteil ist zudem die medizinische Abklärung, meist in Kooperation mit dem Haustierarzt/der Haustierärztin, da Schmerzen, neurologische Erkrankungen, endokrine oder andere organische Ursachen Verhaltensveränderungen auslösen oder verstärken können. Auf Basis der Anamnese, der klinischen Untersuchung und der Verhaltensbeobachtung wird eine verhaltensmedizinische (Verdachts-)Diagnose gestellt. Die Therapie wird individuell zusammengestellt und umfasst in der Regel Management- und Verhaltenstherapie; bei entsprechender Indikation kann eine medikamentöse Unterstützung sinnvoll sein. Je nach Diagnose und Zielsetzung kommen insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), z.B. Fluoxetin (Reconcile), Imepitoin (Pexion) oder das trizyklische Antidepressivum Clomipramin (Clomicalm) zum Einsatz. Situativ werden Alpha-2-Agonisten (Tessie, Sileo) eingesetzt. Bei ausgeprägten Angst- und Panikzuständen können je nach Situation auch Anxiolytika Gabapentinoide oder Benzodiazepine eingesetzt werden. Bei bestimmten Patienten und Fragestellungen können weitere Wirkstoffe, beispielsweise Trazodon oder Clonidin, indiziert sein. Die Medikation ersetzt dabei nicht das Verhaltenstraining, sondern soll die emotionale und physiologische Grundlage schaffen, auf der Lernen und Verhaltensmodifikation besser möglich werden. Auswahl, Dosierung und Kombination der Medikamente erfolgen individuell unter Berücksichtigung von Diagnose, Begleiterkrankungen, möglichen Interaktionen und dem zu erwartenden Nutzen-Risiko-Verhältnis. Verlaufskontrollen sind ein wesentlicher Bestandteil der Therapie.
Nach der Erstkonsultation erhält der/die Tierhalter:in innerhalb einer Woche einen Bericht/Rücküberweisung an Haustierärzt:in und/oder Trainer:in. Weiterführende Untersuchungen und Abgabe von Medikamenten erfolgt in der Regel durch den/die Haustierarzt:in. Weitere Besprechung der Therapiemaßnahmen erfolgt in Follow-up Terminen mit einer Dauer von 15 bis 30 Minuten.
Konsiliarische Beratung ist möglich.
Beispiele für häufige Verhaltensprobleme:
Stubenunreinheit/Markierverhalten
Reaktivität bei Begegnungen
Generalisierte Angststörung
Geräuschaversion
Territoriale Aggression
Hohe Erregung & angstbedingte Aggression
Trennungsangst
Umgerichtetes Jagdverhalten

